Kobern - Gondorf an der Mosel

        

Der traditionsreiche Weinort Kobern-Gondorf mit etwa 3300 Einwohnern liegt an einer sehr engen Stelle auf der linken Seite des Moseltals zwischen steil emporragenden Weinbergen. Er ist ca. 38 Kilometer von Cochem und ca.19 km von Koblenz entfernt. Die Mosel legt von Kobern-Gondorf bis zu ihrer Mündung in den Rhein am Deutschen Eck in Koblenz eine Strecke von 18 km zurück.

Die Ortsteile Kobern und Gondorf sind mit der ehemaligen Römerstraße und der Bundesstraße verbunden.

Kobern-Gondorf hat eine Bahnstation. Haltestelle an der Moselstrecke:  Kobern-Gondorf

Zur Geschichte

Dass der Ortsteil Kobern eine lange Geschichte aufzuweisen hat, belegen die unzähligen Funde aus vergangener Zeit, wie z. B. Fundamente, Gräber und Töpfereien. Zeugnis einer vorgeschichtlichen Besiedlung und damit eines der ältesten Siedlungszeugnisse der Moselregion überhaupt ist der sogenannte Goloring oberhalb von Kobern. Es handelt sich dabei um einen Ringgraben von rund 200 Metern Durchmesser. Angelegt wurde er in der Hallstattzeit (12 000 bis 600 v. Chr.). Höchstwahrscheinlich handelt es sich dabei nicht um eine Wehranlage, sondern um ein Heiligtum.

Funde aus keltischer Zeit sind ein weiterer Beleg für die Siedlungskontinuität auf Koberner Gebiet. Nach den Kelten kamen die Römer. Sie legten aus strategischen Gründen an der ehemaligen Römerstraße ein Kastell an. Dieses Kastell soll zeitweise der Feldherr Germanicus, dessen Sohn Caligula später Kaiser wurde, samt Familie bewohnt haben. Um die Anlage entwickelte sich eine größere römische Siedlung bzw. ein zusammenhängender Gebäudeblock mit Kelleranlagen und Badeanlagen. Die römischen Töpferwerkstätten in Kobern dienten vor allem der Herstellung von Trinkgefäßen aus Ton. Sie existierten von der Mitte des 1. Jahrhunderts bis mindestens zur Mitte des 3. Jahrhunderts und hatten einen weiten Export. Die Moselweinkeramik war besonders in Köln stark vertreten. Köln war auch ein Großbezieher von Moselwein.

Im 4. Jahrhundert wirkte der hl. Lubentius, ein Schüler des hl. Maximin, in Kobern und betreute hier eine frühchristliche Gemeinde. Seine Gebeine wurden später hier aufbewahrt und verehrt, bevor sie im 8. Jahrhundert nach Dietkirchen an der Lahn überführt wurden. Von noch größerer Bedeutung für den Ort war der angebliche Schädel des Apostels Matthias, den Heinrich II. von Isenburg-Kobern 1221von den Kreuzzügen mitgebracht hatte. Für diese Reliquie wurde oberhalb von Kobern die Matthiaskapelle erbaut. Weitere stumme Zeugen aus mittelalterlichen Zeiten sind die Ruinen der an die St.-Matthias-Kapelle angrenzenden Oberburg und der etwas unterhalb liegenden Niederburg.


 
Matthiaskappelle

Mitte des 14. Jahrhunderts wurde Kobern zusammen mit dem ganzen Herrschaftsbereich Isenburg-Kobern kurtrierisch. Von der in der Folgezeit errichteten Stadtbefestigung mit Toren und Mauern sind nur noch wenige Reste erhalten.

Die Entstehung der Oberburg liegt im Dunkeln. Eine erste Erwähnung der Herren von Kobern stammt aus dem Jahre 1126. Mit der Einheiratung Gerlachs III. von Isenburg in das Geschlecht begründete dieser die neue Linie Isenburg-Kobern. Im Zusammenhang mit einer Auseinandersetzung zwischen Gerlach III. und dem Trierer Erzbischof wurde 1195 eine Altenburg genannt. Damit ist die Oberburg in Abgrenzung zur Niederburg (Neuerburg) gemeint, die Gerlach III. wegen des Rechtsstreits errichten ließ

Heute ist die Oberburg eine Ruine. Wann die Anlage zerstört wurde, ist historisch nicht genau gesichert. Man nimmt jedoch an, dass sie bei den Kriegszügen Ludwigs XIV. 1689 wie viele andere Burgen an der Mosel niedergerissen wurde. Teile der stark verfallenen Ringmauer mit Resten des Wehrgangs begrenzen noch heute die ovale Plattform, auf der die Oberburg erbaut wurde. Teilweise stammen die Mauerreste noch aus romanischer Zeit. Zur Talseite ist ein Halsgraben vorgelagert. An der Nordseite sind Ansätze früherer Gebäude zu erkennen.

Gut erhalten ist noch der quadratische Bergfried aus dem 12. Jahrhundert. Erdgeschoß und Obergeschoß sind gewölbt. Im Mauerwerk führt ein Treppenlauf zum zweiten Obergeschoß. In der Südwand des ersten Obergeschosses sind Türöffnungen erkennbar. Die Öffnungen darüber sind neueren Datums. 1936 setzte man dem Bergfried zum Schutz der Gewölbe ein Zeltdach auf.

Wegen der exponierten Lage der Matthiaskapelle neben dem Bergfried wurde 1989 an einer im Mittelalter schon bebauten Stelle ein Wärterhaus errichtet und der Bergfried gastronomisch ausgebaut.